
Fachinformation vom 14. Juli 2025
Dieses Thema wurde am Freitagnachmittag, den 11. Juli 2025, beim 189. Sicherheitswissenschaftlichen Kolloquium von Prof. Dr. Michael Kittner – emeritierter Professor für Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht an der Universität Kassel, langjähriger Justitiar der IG Metall – für und mit insgesamt über 70 Live-Teilnehmer*innen diskutiert.
Auch für das Arbeitsrecht, das den Arbeitsschutz einschließt, gibt es tiefgreifendere Kontinuitäten als vielfach angenommen. Demnach kann von einer „longue duree“, der „langen Dauer“ des Schutzrechts für die Beschäftigten gesprochen werden. Hiervon ausgehend stellte Prof. Kittner einige Schlaglicher aus seinem im April diesen Jahres erschienenen Buch „Arbeitsrecht und Geschichte“ vor.
Die Bedeutung der „langen Dauer“ zeigt sich besonders an der Novemberrevolution 1918: Sie brachte die Anerkennung der Gewerkschaften, die rechtliche Sicherung des Tarifvertrags mit der Tarifvertragsverordnung von 1918 und das Betriebsrätegesetz von 1920. Damit wurden die Grundlagen der heutigen Arbeitsverfassung gelegt – mit ihrem Dualismus aus staatlichem und autonomem Schutzrecht. In der instabilen Weimarer Republik konnte sich dieses System jedoch nicht voll entfalten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete es mit dem Tarifvertragsgesetz von 1949 und den Betriebsverfassungsgesetzen von 1952 und 1972 seine volle Wirkung.
Der Nutzen einer besseren Kenntnis dieser Entwicklungslinien – aus der Vergangenheit reichend und in die Zukunft weisend – zeigt sich an einer zentralen und zugleich bedrohlichen Erkenntnis: Der Kern der systemprägenden Eigenart des deutschen Arbeitsrechts ist die Eigeninitiative der Beschäftigten. Sie müssen freiwillig einer Gewerkschaft beitreten und in Eigeninitiative Betriebsräte wählen. In beiden Bereichen ist jedoch ein rückläufiger Trend zu verzeichnen. Immer mehr Beschäftigte arbeiten ohne tarifliche Bindung und ohne betriebliche Interessenvertretung.
Diese und weitere zentrale Aspekte aus „Arbeitsrecht und Geschichte“ diskutierte Prof. Kittner im Rahmen des 189. Kolloquiums mit Blick auf aktuelle Herausforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz.
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